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November 16 2010

skeptika

Fischer "argumentiert" zielgruppengerecht.

Die Wählerschaft der CxU besteht (genau wie ihr Personal)
schwerpunktmäßig aus zwei Gruppen:

1. Rückwärtsgewandte Nichtszuverbergenhaber über 60, denen jedes
gesellschaftliche Phänomen, das sich nicht mindestens bis 1960
zurückverfolgen läßt, per se suspekt ist. Darunter fallen z.B.
Coputerspiele, das Internet und die gesamte zeitgenössische Musik.

2. Verklemmte Pullunder- und Seitenscheitel-Träger, die auf jeder
Party alleine in der Ecke stehen bleiben und die beim Sportunterricht
niemand in seine Mannschaft wählen wollte.

Eine "auf cool gebürstete" Unterart von 2 ist der Burschenschaftler,
der in einer "dem Brauchtum"(tm) verhafteten Parallelgesellschaft mit
elitärem Machogehabe aus der Not eine Tugend macht – und dabei
gleichzeitig das Netzwerk für die kommenden Generationen
quasi-feudaler Möchtegern-Gutsherren knüpft.

Diese Menschen kennen und verstehen das Leben nicht, das da um sie
herum- und an ihnen vorbeiläuft. Sie mißtrauen ihm und den vielen
Menschen um sie herum, die an diesem Leben so mühelos und
selbstverständlich teilnehmen. Sie sind erfüllt von Argwohn und
Angst, die sich in unterschiedlicher Gestalt zeigen – mal als
zwanghafte Verklemmtheit (die sich selbst als "christlich-tugendaft"
euphemisiert), mal als großkotzige Verachtung, mal als mehr oder
weniger latente Aggression.

So lange irgend jemand irgend etwas kann oder darf, was diese
Menschen nicht verstehen, so lange finden sie keine Ruhe. Es
existiert keine reale Bedrohung für unsere Gesellschaft – weder durch
"Integrationsverweigerer", noch durch "Sozialschmarotzer", weder
durch "Kinderpornographie", noch durch "Terrorismus". Und ganz sicher
nicht durch "Raubkopierer" oder "Killerspieler".

Nein, die einzige Bedrohung für diese Menschen ist die existentielle
Infragestellung, die sie von der sie umgebenden "Andersartigkeit"
(derer nämlich, die am Leben teilnehmen) permanent um die Ohren
gehauen bekommen. Und wie immer, wenn man etwas bei sich selbst nicht
erkennt (und daher auch nicht lösen kann), müssen sie ihre
Lebensangst und -unfähigkeit als vermeintliche "Bedrohung" nach
außen, auf geeignete Sündenböcke, projizieren.

Und selbstverständlich besteht ihr einziges Sinnen und Trachten
darin, diese Sündenböcke (also Internetnutzer, Gamer etc.) an allem
zu hindern, wozu sie selbst nicht in der Lage sind.

Von daher ist es zwar ärgerlich, wenn unbedarfte Irrelevante wie ein
Herr Fischer ungefragt dahergelaufen kommen, um ihre blödsinnigen
Fehlmeinungen durch die Gegend zu blöken; aber in einer Demokratie
kann man es einem überzähligen Zukurzgekommen schlecht verbieten,
sich bei seinesgleichen zum Zwecke der Existenzsicherung anzubiedern,
indem er deren dumpfe, auf Ignoranz und Unfähigkeit beruhenden Ängste
bedient.

Die Parallelgesellschaft der rückwärtsgewandten Gegenwartsverweigerer
ist genauso integrationsresistent wie die bildungsferner Asozialer
mit und ohne Migrationshintergrund. Und im Moment scheint es der
westlichen Menschheit mal wieder lange genug zu gut gegangen zu sein,
daß diese Typen Aufwind kriegen, aber das wird schon wieder.
Geschichte verläuft zyklisch, und der Einfluß von "Vernunft" und
"Aufklärung" auf ihren Verlauf wird erheblich überschätzt.
Reposted frompzyko pzyko